Eine Sonne namens Begeisterung

Call me nurse!

Das darf ich mittlerweile seit einem halben Jahr sagen. Nachdem mir bis dahin immer wieder nur gesagt wurde „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, bin ich immernoch der Meinung, dass Krankenpflege kein guter Job ist. Die Arbeit ist hart, schmutzig und will einen immer wieder nach Hause verfolgen. Sie ist geprägt von finanziellen Kürzungen, Unzufriedenheit auf allen Seiten und dem Gefühl, dass man gegen Windmühlen kämpft udn das ganze System so ineffektiv wie ungerecht ist.

Und trotzdem liebe ich diesen Beruf. Nicht etwa weil ich meine irgendwem zu helfen, etwas gutes zu tun oder gar ändern zu können. Nein. Ich bin einfach begeistert von dem, was ich jeden Tag erleben darf. Ganz egal in welchem Tätigkeitsfeld der Krankenpflege ich mich bewege, sie ist einfach toll.

Nehmen wir zum Beispiel die Neurologie: Hier geht es ja vor allen Dingen um die Schaltzentrale des menschlichen Körpers. Kein anderes Organ ist so gut vor Fremdeinwirkung geschützt: Der Schädel, der keinen Kratzer an das Gehirn lässt und selbst das Blut kommt nicht einfach so ran. Es ist ja auch viel zu oft Überbringer von diversen Krankheitserregern.
Ist es nicht ein Wunder, dass man durch die bloße Raumgestaltung Einfluss auf den Verlauf einer Krankheit nehmen kann?
Außerdem habe ich hier in meiner Ausbildung einen der bewegendsten Momente dieser drei Jahre erlebt: Eine Dame, die aufgrund ihrer Erkrankung monatelang keinen Muskel mehr bewegen konnte, nichteinmal selbstständig atmen, wackelte eines Morgens mit ihren rechten großen Zeh.

Dann die Endoskopie: Ohne den Körper zu verletzen sind ganz tiefe Einblicke möglich. Neben Diagnose wird auch Prävention betrieben. Verändertes Gewebe wird entfernt ohne sicht- oder spürbare Narben zu hiterlassen bevor es zum gefürchteten Krebs wird. Und wenn doch einmal Therapie notwendig ist, weil z.B. die Gallenwege durch gemeine Steine einfach blockiert werden, können auch diese entfernt werden ohne die unangenehmen Folgen einer Operation: Narbe, eingeschränkte Mobilität, …

Und da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, kommt auch noch der Operationsdienst: Hier kann wirklich etwas am Menschen verändert werden. Gebrochene Knochen wieder zusammengeflickt, Löcher im Herzen geschlossen oder einem Herzen, dass nicht mehr wirklich schlagen möchte wieder auf die Sprünge geholfen werden. Hier wird der Mensch ganz bewusst verletzt. Aufgeschnitten sowie neu zusammengeflickt. Aber das ist eben nicht nur eine Sache des Arztes, sondern dieses ganze Zusammenspiel, Hand in Hand, die perfekt aufeinander abgestimmten Abläufe.

Skalpell! Tupfer!

Dabei weiß eigentlich jeder Mitwirkende meistens schon was als nächstes kommt.

Es ist Beruf mit zahlreichen Schattenseiten. Wie gut, dass die Begeisterung doch so viel Licht hineinbringt.

Ein Gedanke zu „Eine Sonne namens Begeisterung

  1. Liebe nrsss,
    dort wo Licht ist, ist auch Schatten. Mir scheint, bei dir ist die Arbeit mehr als nur ein Job, es ist dein ‚Beruf‘.
    Bitte behalte dir die Begeisterung und auch die Neugierde fuer deinen Beruf und auch fuer dein Leben.
    /Ulla

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.