Das Herd-Paradoxon

Der Froschkönig ist ein komischer Typ.

Eigentlich mag er Frauen, die Karriere machen.
Frauen, die etwas im Kopf haben und das gewinnbringend einsetzen.
Sie sollen Ziele haben und einen Plan, diese zu verwirklichen.
Den Plan sollten sie ehrgeizig verfolgen. Als Vorbild haben sie z.B. ihn.
Ehe, Kinder und Co. sind nicht Teil einer zielführenden Planung sondern eher ein vermeidbares Hindernis.

Klingt doch eigentlich nach Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen, oder?
Beide Seiten sind aktiv im Beruf. Beide haben demnach wenig Zeit. Also sollte Haushalt – darunter verstehe ich mal einfach Kochen, Putzen, Waschen, Ordnung halten – ja etwas sein, das auch zu gleichen Teilen auf beide Partner aufgeteilt wird.

Und hier kommt das paradoxe am Froschkönig:
Er zeigt selten Initiative wenn es um die Gestaltung eines gemeinsamen Essens geht und ebenso selten schwingt er von sich aus den Wischmop.
Selten heißt nicht nie!
Meistens ist es jedoch so, dass ich ihn bitte, mir zu helfen und dann irgendwann doch alleine loslege, weil er nur immer wieder sagt: Gleich. Jetzt nicht. Später. Ich bin beschäftigt. Ich lese gerade etwas. Ich hab jetzt keine Lust. Morgen…

Unmittelbar nach dem Essen lässt er, wie ich sehr oft ebenfalls, alles stehen und liegen. Teller, Töpfe, … Und das trotz Spülmaschine. Wenn gerade kein neuer Müllbeutel im Eimer ist, weil einer von uns beiden den Müll raus gebracht hat – mit der Ausnahme Papier, war das meistens ich – bleiben die Verpackungen einfach liegen wo sie gerade hin passen.

Dazu würde statt einem „Karriereweib“ eindeutig besser das „Heimchen am Herd“ passen. Wenn sie morgens aufsteht hat sie nichts besseres zu tun, als das Haus aufzuräumen und zu putzen. Wenn er nach Hause kommt steht ein gutes Stück Fleisch auf dem Tisch und wenn er sich dann nach dem Essen wieder diversen News-Seiten zuwendet kümmert sie sich darum, dass die Küche sauber ist und kehrt direkt den Schmutz auf, den er von draußen mit ins Haus gebracht hat. Man könnte es weiter überspitzen und am Ende bekommt er morgens zum Abschied einen Kaffee für den Weg zur Arbeit und abends als Begrüßung gleich an der Haustüre die Pantoffeln.

Ganz so paradox ist es dann aber doch nicht.
Denn er ist im Gegensatz zu mir bereit eine Putzfrau (man entschuldige die politisch inkorrekte Bezeichnung) zur Hälfte zu bezahlen. Sie sollte dann einmal pro Woche alles auf Vordermann bringen.
Ich beiße aber eher die Zähne zusammen und kümmer mich doch nahezu in großen Teilen selbst darum, dass wir nicht ganz im Chaos versinken. Sowohl, indem ich mein eigenes Chaos von Anfang an klein halte, als auch dadurch, dass ich mich mit dem Ungleichgewicht zähneknirschend und maulend (bei Frauen nennt man das glaube ich zickend) abfinde. Das hat wohl zwei Gründe:
Einerseits bin ich manchmal unverhältnismäßig geizig – unverhältnismäßig, weil in anderen Bereichen auch enorm verschwenderisch – und andererseits verdiene ich als Krankenpflegerin erheblich weniger als er. Und da bin ich dann nicht bereit 50% der Kosten zu tragen. Diese Kopfpauschale im privaten Bereich würde ich als ungerecht empfinden. Von wegen sozialer Ausgleich und so. Und Beziehungen sind doch sozial, oder?!

Also an sich doch nicht ganz so paradox. Paradox wäre wohl eher, dass ich politisch für bestimmte Formen der Kopfpauschale eine sinnvolle Anwendung sehe. Die Gesundheitsprämie wäre keine sinnvolle Anwendung.

Und schließlich habe ich trotz 3-Schichten und Studium doch noch mehr Zeit als er.
Beste Belege:
Ich habe Zeit für Sport.
Ich habe Zeit zu twittern.
Und Zeit zu bloggen.

Außerdem hab ich ja meinen Schweinehund im Griff 🙂

Ein Gedanke zu „Das Herd-Paradoxon

  1. Die Gesellschaft fordert zwar Gleichberechtigung, aber es werden in den allermeisten Fällen immer noch alte Rollenbilder vorgelebt. Und wir 80er-Jungs sind ganz eindeutig in einer Welt aufgewachsen, in der Mamam gekocht und geputzt hat und Papa arbeiten ging und Geld verdient hat. Auch wenn wir es nicht wollen, diese Sozialisierung steckt in Mädchen und Jungs der 80er noch drin. Und wenn wir nicht aufpassen, geben wir sie an unsere Kinder weiter.

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