Völlig betuppert!

Ich sag nur:
Schneeeeeeball!

Nach all dem haarigen Inhalt hier nochmal „ein Schwank aus meinem Leben“:

Dass ich wirklich noch SO viel Plastik-Gedöns hier rumfliegen habe, hätte ich ja ehrlich gesagt nicht gedacht

Dass ich wirklich noch SO viel Plastik-Gedöns hier rumfliegen habe, hätte ich ja ehrlich gesagt nicht gedacht

Ehrlich. Ich war bei einer Tupperparty. Vor etwa 3 Wochen. Nach mehr als 10 Jahren wieder. Hier gibt es also ein wenig Tuppergedöns, auch wenn ich tatsächlich überwiegend Glas, Metall und Holz verwende, siehe auch hier. Sind zu einem großen Teil Überbleibsel bzw. „Erbstücke“.

Etwa die Hälfte meiner "Tuppersachen" habe ich gar nicht selbst "besorgt" sondern eher adoptiert. Es fehlt noch eine Schüssel, die eigentlich einmal meinem Mitbewohner gehörte...

Etwa die Hälfte meiner „Tuppersachen“ habe ich gar nicht selbst „besorgt“ sondern eher adoptiert. Es fehlt noch eine Schüssel, die eigentlich einmal meinem Mitbewohner gehörte…

Davon abgesehen, dass mir die Gesamtsituation unangenehm war, war es halt eine Verkaufsveranstaltung. Es wird gekocht ohne dabei viel dreckig zu machen und gefühlt auch ohne viel Anstrengung.

Tatsächlich hat mir das Ergebnis nur teilweise geschmeckt:
Die Thunfischcreme war lecker. Die „Schüttpizza“ war schrecklich. Sowohl geschmacklich, als auch von der Konsitenz her.
Und ich bin mir 98% sicher, dass die Tuppertante immer von einer Schüttelpizza gesprochen hat und habe daher darauf gewartet, dass sie den Teig in der ach so tollen und noch viel bekannteren „Peng-Schüssel“ schüttelt. Hat sie aber nicht. Was für eine Enttäuschung!

Mal davon abgesehen, dass die Party für mich einfach nicht spaßig war, fand ich das Schneeballsystem einfach nur beeindruckend. Soooooo ausgeklügelt:

  • Das fängt ja schon bei den Geschenken für die Gäste und die Gastgeberin an. Bei meiner ersten Tupperparty vor 14 Jahren (oder so…) habe ich die kleinen Gewürzbehälter als Geschenk bekommen. Dieses Mal den Mixbecher mit dem pinken Deckel. Die Gastgeberin hat eine runde Kuchentransportbox bekommen.
    Man geht also prinzipiell zunächst gerne zu so einer Party. Man bekommt Geschenke, wird bekocht, viele Weiber auf einem Haufen von denen man normalerweise nicht nur die Gastgeberin kennt, …
    Und auch möchte man eigentlich mal gerne Gastgeberin sein. Dieses Kuchenteil hätte mich jetzt zwar gar nicht interessiert, aber ich meine mich zu erinnern, dass die Gastgeberin normalerweise was nutzlicheres erhält.
  • Weiter geht es dann bei den Sonderaktionen, die in engem Zusammenhang zu MEHR Geschenken für die Gastgeberin stehen. Und überhaupt wird das Ganze hier richtig komplex, daher erstmal nur zum verkaufsfördernden Teil:
    Wenn sich bei der Party zwei neue Gastgeberinnen für eine Party jeweils innerhalb der nächsten (ich glaube 5) Wochen finden (und ich glaube auch der Partyumsatz eine bestimmte Höhe erreicht), dann kann sich jeder Gast ein bestimmtes Schüsselset – oder etwas anderes, was dann gerade angeboten wird  – zu einem besonders günstigen Preis (ca. 50%) mit aufschreiben, der selbst für mindestens 39€ andere Produkte kaufen möchte.
    Hier sind ja schon wechselseitige Geschichten mit drin: Gelockt durch das „Schnäppchen“ steigt die Bereitschaft etwas für fast 40€ zu kaufen. Dadurch steigt der Partyumsatz, …
  • Aber für dieses superdupermegatolle Schnäppchen braucht man ja auch noch die neuen Gastgeberinnen. Zugegeben, das lief bei der letzten Party seeeeeehhhhhr schleppend. Eine Dame hatte bereits vor kurzem eine Party gegeben und war schon bald wieder „fällig“. Und doch war sie kurz davor, sich erneut zu melden.
    Aber: Das war nicht nötig, denn die Tupperdame selbst überzeugte dann durch die vielen Geschenke und Sonderangebeote, die die Gastgeberin bekommen würde wenn sich denn jetzt jemand meldet und schließlich am wirksamsten dadurch, dass sie die Vorzüge ausplauderte, in deren Genuss dann die spätere Gastgeberin kommen würde. Dass diese dann auch wieder 2 Freundinnen davon überzeugen müssen, auch eine Party zu geben und ihre Gäste dann auch wieder für mehrere hundert Euro Umsatz machen müssen, wurde von allen Seiten gaaaaaanz schnell abgetan.
  • Das superdupermegatolle Schnäppchen war jedenfalls gesichert. Und statt unter 39€, bestellte die Mehrheit der Gäste dann etwas für über 46€. Wir waren glaube ich 9 Weiber und hatten somit den für irgendwelche weiteren Aktionen benötigten Partyumsatz ebenfalls in der Tüte und die Gastgeberin konnte sich darauf basierend noch mehr aussuchen und eben ihre Schnäppchen kaufen. Irgendein Mikrowellending, das normalerweise 150€ kostet hat sie dann für 40€ oder so bekommen.
  • Die Tuppervorführerin fasste schließlich noch einmal für alle Anwesenden zusammen, wie sehr sich die Party doch besonders für die Gastgeberin gelohnt hat: Sie hat das, das, das, das und das hier und auch noch das und alles andere für insgesamt nur 80€ bekommen. Sachen, die eigentlich mehrere hundert Euro kosten.
    Wer jetzt noch immer nicht Gastgeberin sein möchte, also der ist selbst schuld.

Ich bin das gerne. Mich nervt das. Tatsächlich: Die Gastgeberin hat „viel“ für ihr Geld bekommen.
Aber auf wessen Kosten?! Auf die ihrer Freundinnen! Denn Tupperware macht am Ende trotzdem den größten Gewinn. Sonst gäbe es diese Veranstaltungen nicht mehr. Eine Mischkalkulation ohne Gleichen. Was bitte haben die für eine Marge, dass die sich SOLCHE Rabatte leisten können?!

Erahnen kann man das Ausmaß, wenn man den Krempel eben nicht bei einer solchen Party kauft, sondern online.
Vor einigen Monaten wollte ich ein bestimmtes Ding von Tupper haben. Den „Turbo-Chef“. Perfekt um Zwiebeln und Kräuter klein zu hacken. 46€ kostet das Teil laut Katalog. Ich hab’s dann neu und unbenutzt bei eBay für 15€ gekauft. Vermutlich war das dann auch mal eine Superdupersonderaktion und diejenige konnte vielleicht sogar noch Gewinn machen, indem sie einfach alle Rabatte ausgenutzt und dann den Krempel wieder verkauft hat. Bloß Spekulation. Ich würde es so machen…

Ich mag dieses Teil wirklich. Aber NIE im Leben würde ich dafür 50€ ausgeben. Dann lieber ein Schnäppchen bei eBay machen!

Ich mag dieses Teil wirklich. Aber NIE im Leben würde ich dafür 50€ ausgeben. Dann lieber ein Schnäppchen bei eBay machen!

Achja, ganz vergessen: Wenn man Gast bei einer Tupperparty ist, möchte man auch nicht „nichts kaufen“. Unsere Tuppertante berichtete tatsächlich auch irgendwann davon, dass sie auf Parties oft Gäste erlebt, die nur der Geschenke wegen da sind und gar nichts kaufen und dann noch gegen die Produkte wettern. Nicht abwegig, bei dem ganzen Plastik…
Und mal ganz im Vertrauen: wenn sie mich fragt, ob ich bei meinem Dosenöffner den Rand der Konservenbüchse danach auch mit der Zunge ablecken könnte, kann ich auch nicht anders als laut loslachen!
Was bitte hab ich davon?
Okay, geringeres Verletzungsrisiko speziell, wenn man Kinder hat. Aber ich selbst habe mich als Kind NIE an einer Konservendose geschnitten. Ich habe rechtzeitig gelernt, dass man sich daran eben weh tun kann und war entsprechend achtsam im Umgang mit dem Zeug.
Ich stell mir jetzt das Kind vor, dass sieht, wie die Mama dem Papa stolz ihren neuen Tupper-Dosenöffner vorführt und zeigt, dass das jetzt soooooo ungefährlich ist, dass sie da sogar mit der Zunge rangehen kann. Und nächstes Mal bei Oma macht das Kind dann genau das: den Deckel ablecken. Dummerweise hat die Oma keinen 38€ teuren Dosneöffner von Tupper sondern einen aus dem Supermarkt…
Ihr denkt euch den Rest, okay?

Ich wusste jedenfalls genau, was ich kaufen wollte. Diesen kleinen Geizhals, mit dem ich auch noch meine Kokosfettgläser auskratzen kann.
Tatsächlich ist es aber etwas mehr geworden.

Die Neuanschaffungen

Die Neuanschaffungen

Zusätzlich zu dem Gastgeschenk und meinem Geizhals bin ich bei Ersatzteilen für meinen „Turbo-Chef“ schwach geworden. Die Tupperfrau hatte da sowas erwähnt….
Ich hab dann schnell online geguckt, ob ich an die Teile auf anderem Weg günstiger rankomme, war nicht der Fall: also habe ich es dann gekauft und bin trotzdem deutlich unter den 39€ für das spektakuläre Schnäppchen geblieben.
Mit dem Kram kann ich jetzt aus meinem Ein-Zwiebel-Hackding die etwas größere Variante machen, den „Multi-Chef“.
Damit kann ich endlich das ausgediente Handrührgerät entsorgen, mit dem ich zuletzt nur noch Paradiescreme zubereitet habe. Es war schon ein bisschen eklig… irgendwann ist ein wenig Teig ins Getriebe gekommen weil die Quirle diesen „hochgezogen“ haben… Die Details erspare ich euch.

Neben dem ungeplanten Zubehör und dem Minigeizhals konnte ich tatsächlich eine sehr nützliche Erkenntnis mitnehmen, die man eben nicht erhält, wenn man das Zeug „preiswert“ im Internet kauft:

Den Deckel von meinem Turbo-Chef kann ich auseinander nehmen und das versaute Teil davon dann auch in die Spülmaschine stecken!
YESSSSS!

Und ich hab jetzt erstmal wieder genug von diesen Parties.

4 Gedanken zu „Völlig betuppert!

  1. Hi du,
    danke für die spannende Auswertung deiner Tuppererfahrungen 🙂
    Liest sich echt gut. Meine Schwester hat das damals auch immer gemacht. Da war es auch immer der mega stress, wenn es darum ging wer das nächste Mal Gastgeber ist etc ^^

    Grüße
    Maths

  2. Oder man spart sich das hacken gleich ganz und kauft stinkefaul einen Kilosack gehackter Zwiebeln bei Bofrost. Die sind sogar günstiger als die vorgehackten bei Aldi und Zwiebeln nicht selber hacken zu müssen ist ohnehin unbezahlbar 🙂

    Aber durchaus sehr auf den Punkt gebrachte Sichtweise von Tupperpartys.
    Ich möchte noch hinzu fügen, wie sehr ich es hasse, wenn sich Menschen nur daran erinnern, dass es mich ja auch noch gibt, wenn sie eben eine solche Party planen. Nein danke, so toll sind die Geschenke dann auch wieder nicht. Auch wenn ich meinen Silikonschaber von Tupperware auch heiss und innig liebe 🙂

    • Hallo Teufelslocke!
      Du erinnerst mich daran, dass ich hier noch zwei tolle Haarstäbe habe, die ich nochmal gesondert vorstellen möchte… Vielleicht ist der 6.12. ja ein guter Tag dafür… 🙂
      Die fertig gehackten Zwiebeln hatte ich tatsächlich auch schon oft und gerne. Finde für konkrete Rezepte die Dosierung aber schwierig und bei „rohen“ Sachen stört mich dann, dass sich mit der Zeit sich viel gefrorenes „Kondenswasser“ daran bildet, dass verwässert mir dann den Kräuterquark… Für mich ist das Tupperding daher die optimale Lösung.

      Das klingt ja nicht gut, dass du scheinbar die Erfahrung gemacht hast, dass man sich dann erst bei bzw. für so eine Party an dich erinnert. Das klingt dann schon so, als würde die Freundschaft ausgenutzt werden… Wobei: nach meiner Schilderung sollte man wirklich guten Freunden das ja auch nicht „zumuten“ oder sich das zumindest gut überlegen…

      Lieben Gruß
      Andrea

  3. Huhu 🙂

    Hach, ein schöner Post. Ich kenne das getuppere auch… Meine Mutter hat damals als ich ausgezogen bin sogar extra ne Tupperparty gemacht, damit ich mich einrichten kann… Aber auch nur Weil ja kurz vorher eine Party bei der Nachbarin war 😉
    Wir sind beide nicht so total Tupperverrückt, haben aber das ein oder andere Teil.

    Ganz schlimm war aber meine Mitbewohnerin. Die hat mich, bevor sie eben in unsere WG gezogen ist, eine Tupperparty bei ihren Eltern gemacht. Dort wollte sie mich dann überredendiversen Krempel für die WG zu kaufen (ein Küchentuchabroller! brauchen wir UN-BE-DINGT), die sie ja von zu Hause kennt und die wir UNBEDINGT brauchen. Was ich nicht gemacht habe.
    Und mit was für Zeug die dann eingezogen ist… unglaublich.
    Ihre Familie war total vertuppert.

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