Übergewicht ist salontauglich

… Normalgewicht und Untergewicht nicht.

Ich hab mich ja vor kurzem erst darüber geärgert, dass ich mir immer wieder blöde Sprüche zu meinem konstanten „Normalgewicht“ anhören darf/muss/kann.

Heute habe ich durch Zufall (ich finde facebook trotzdem noch doof!) einen netten Comic gefunden, der schon irgendwie passt:

erzaehlmirnix – Health at every size

Ich finde es erstaunlich, wie selbstverständlich es heutzutage ist, dass jemand übergewichtig ist. Ich glaube kaum jemand, der 10kg zu viel auf die Waage bringt, wird, darauf angesprochen.

Bei  geringem Untergewicht (und auch Normalgewicht!) hingegen meinen zig Leute, dass sie jemanden vor der Magersucht bewahren müssen.

Renée Zellweger hat ja auch keine Kritik dafür bekommen, dass sie für ihre Rolle in „Schokolade zum Frühstück“ (sehr schnell sehr viel) zugenommen hat, sondern dafür, dass sie danach wieder (sicher ähnlich ungesund schnell und drastisch) abgenommen hat.

Seid mal ehrlich, an was habt ihr beim ersten Bild gedacht?

5 Gedanken zu „Übergewicht ist salontauglich

  1. Hallo,
    ich habe vor ein paar Wochen zufällig deinen Blog entdeckt und finde mich in ziemlich vielen deiner Beiträge total wieder!
    Super Comic und so wahr 😉
    Was das Normal-/Untergewicht“problem“ angeht: Das kenne ich nur zu gut! Ich bin selbst ziemlich dünn, weil ich unheimlich schwer zunehme, obwohl ich gerne viel und kalorienreich esse (das ist ärztlich abgeklärt).
    Es nervt einfach unheimlich, immer wieder Kommentare zu hören wie
    – „Ach, du hast es so gut!“ (Ja, ich bin auch froh, dass ich nicht so leicht zunehme; aber wenn ich krank bin, wirkt sich das immer schlimmer aus, weil ich gleich total ausmärgle und mein Körper nicht mehr genug Energie hat. Und das find ich nicht sooo toll),
    – „Ich schenke dir ein paar Kilo“ (Nein danke, will ich nicht! Ich fühle mich wohl so wie ich bin),
    – „Sei du mal still, du kannst überhaupt nicht mitreden!“ (Nein, bei Übergewicht nicht, aber mit Untergewicht ist auch nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen),
    – „Hau doch mal rein! Geh zu Mäcces, hol dir Kebab, iss Chips,…“ (Ich esse sowieso recht viel, aber ich sehe nicht ein, mich ungesund ernähren zu müssen, nur weil ich wenig wiege),
    – „Du siehst krank aus, geh mal zum Arzt!“ (Danke, das hört man gerne *augenroll*),
    – usw…
    Ich finds gut, wenn man (z.B. in der Werbung) weg will von diesem Magersucht-Ideal. Aber wenn umgekehrt normal- und untergewichtige Menschen blöd angemacht werden (und das ist Alltag!), ist das der falsche Weg.
    Ich hab in meinem Bekanntenkreis auch die Erfahrung gemacht, dass übergewichtige Menschen häufig bemitleidet werden, weil es ja sooo schwer ist, abzunehmen; Probleme damit zu haben, zuzunehmen, wird hingegen als absolutes Luxusproblem hingestellt und man kriegt nicht selten richtig beleidigende Kommentare.

    • Gaaaaanz so „schlimme“ Kommentare bekomme ich dann zum Glück auch wieder nicht. Jedenfalls empfinde ich sie auch nicht als ganz so unpassend, weil ich aber in keine Richtung ein Problem habe mein Gewicht zu halten. Es ist bei mir ja, im Gegensatz zu echt vielen anderen, nicht so, dass ich mich anstrengen muss um nicht abzunehmen.
      Und trotzdem kam erst heute wieder dieser Spruch, als ich erzählt habe, dass ich gestern für mich alleine Waffeln gemacht habe:
      “ Du kannst es ja auch vertragen.“ (dazu bitte eine Mischung aus besorgtem Blick und rollenden Augen denken)
      Stimmt, gibt viele, die Waffeln nicht vertragen können. Glutensenitivität wäre da ein Grund. Andere „vertragen“ die schon, wollen sie aber aus Angst zuzunehmen nicht essen oder fühlen sich aus diesem Grund schlecht, wenn sie es doch tun.

      Ich drück dir die Daumen, dass dein Umfeld irgendwann mehr Verständnis für deine Situation (bzw. Proportion!) entwickelt und du dich nicht immer dafür rechtfertigen musst, dass du sogar hochkalorisch essen musst.

    • Sadly, the fact people focus on fat and thin is irrelevant. The focus should be fitness. A person who is 10 pds heavier and eats health foods, exercises regularly, doesn’t smoke, and gets proper rest and fluids is going to be healthier than someone thin, who smokes and parties all night and drinks.

      I think you are mistaken about people who are heavy not being insulted. They are. Daily. And I’ve seen thinner people have a similar issue. I like to point out fitness as the key aspect in anyone’s life—eating healthy and living healthy by far out weights what a scale says. Olympic athletes have BMI’s that allude to the fact they are morbidly obsese—but they have zero body fat and are fitter than anyone I know. 🙂

  2. Ich muss mal sagen, es kommt ganz auf den Blickwinkel an 😉
    Ich bin übergewichtig und ich beneide schon ein wenig diejenigen, die nicht so schnell zunehmen – aber nur oberflächlich betrachtet. Wenn ich mal in die Tiefe hineinschaue und sehe, welche Probleme auch damit einhergehen, finde ich das auch nicht mehr so toll.
    Gerade wenn man schon sehr wenig wiegt.
    Ich kann hingegen nicht verstehen, wieso man jmd. kritisieren muss, weil er/sie Normalgewichtig ist.
    Ich könnte mir vorstellen, dass sind dann diejenigen, die selber Probleme mit ihrem Körper/Gewicht haben (Achtung!: Vorurteil und nicht bestätigt, kenne die Leute ja nicht, die euch soetwas sagen)
    Ich habe aber auch Probleme und denke keines Falls, dass dicke/übergewichtige Leute keine Kommentare bekommen – im Gegenteil. Es sind häufig direkte Beleidigungen. Ich sehe auch meine Umwelt anders und denke die Leute denken sich ständig: „Man ist die Fett.“, und das ist die humane Version…
    Ich glaube einfach, der Neid auf normalgewichtige oder untergewichtige Menschen lässt andere Menschen so reden wie beispielsweise in dem Comic.
    Dazu gehört einfach Aufklärung! In beide Richtungen – pro und contra.
    Wie nicht alle sehr dünnen Leute immer daran Schuld haben an ihrem Gewicht ist es bei übergewichtigen auch so.
    Nur der Unterschied ist, dass Übergewicht verbreiteter ist in unseren Breiten und darüber mehr Aufknlärung passiert und viele wissen, dass es Krankheiten (fern von Adipositas) gibt, die das begünstigen und daher weniger Kommentieren. Zum anderen wurde Jahrelang auf den „Magermodels“ rumgehackt und jedem eine Essstörung unterstellt – egal ob Anorexie oder Bulimie.
    Man muss eben einfach mal publizieren, dass es auch umgekehrt der Fall sein kann, dass es Krankheiten gibt, bei denen man sehr dünn sein „muss“.

    Extreme Gewichtsverluste oder auch Gewichtszunahme ist richtig kritisch zu sehen in beiden Fällen. Ich war auch total erschrocken wie schnell Renée Zellweger ab genommen hat, aber genauso geschockt war ich als ich sah, wie schnell sie zunahm. Dass kann doch nicht gesund sein!

    Liebe „nrsss“, lass dich einfach nicht deswegen aus der Ruhe bringen und sei stolz auf dein Gewicht und dass du es schon so lange hälst!

    • Die Theorie mit der „Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper/Gewicht“ hat auch in meinem ersten Text zu dem Thema schon jemand genannt. „Damals“ hab ich das noch strikt abgelehnt, aber ich weiß natürlich nicht ob nicht diejenigen, die in meinen Augen eine tolle Figur haben, sich selbst auch darin wohlfühlen, und selbst wenn sie ihre Proportionen mögen, wie viel Arbeit, Verzicht, etc. sie aufbringen um eben diesen Körper zu haben.

      Ich glaube vieles bei dieser Problematik hat auch damit zu tun, welche Eigenschaften „man“ mit einer bestimmten Figur verbindet. Übergewichtige werden ja eher als ruhig, gemütlich, bescheiden, etc. abgestempelt. Wenn jemand normal- oder gar untergewichtig ist, assoziert „man“ wohl eher Eigentschaften wie „ehrgeizig, aktiv, diszipliniert“.
      Die angenehmere Mischung ist für mich auf jeden Fall die „mollige“. Jedenfalls wenn es um bloße Gesellschaft geht. Klar hat diese Kombination in anderen Kontexten Nachteile, vielleicht gerade im Job. Aber welcher Mandant erzählt schon seinem Anwalt, dass er mal mehr essen sollte? Das sind doch eher die Kontakte im privaten Umfeld.

      Ich will darauf nicht „stolz“ sein. Hab ich in meinen Augen keinen Grund zu. Ich mache ja nichts dafür, dass ich das gewicht habe, das ich habe. Das ist einfach so, ohne großes Zutun.
      Ich mag mich so trotzdem. Egal was die anderen sagen. Aber nur weil dieses Gerede keinen Einfluss darauf hat, wie wohl ich mich in meinem Körper fühle, heißt es nicht, dass es mich nicht trotzdem stört!

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