Konsum

Ich weiß nicht, ob es an individualisierten Inhalten liegt, aber ich sehe seit Monaten auf Instagram unglaublich viele Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit bzw. Zero Waste, Umweltschutz, etc.

Quelle: Pixabay

Vielleicht erinnert sich ja noch der ein oder andere an meinen Plastikartikel?
Mir war gar nicht klar, dass der schon 4 Jahre alt ist!

Wir suchen noch immer nach einem Wasserkocher mit spezifischer Temperaturvorwahl komplett aus Edelstahl oder mit Glas. Kaufempfehlungen also erwünscht!
Und während ich seit 2014 ja einfach etwas bewusster eingekauft habe, haben wir das seitdem eigentlich nicht mehr wirklich thematisiert. Dass die Anschaffung eines gebrauchten Fahrrads für mich auch einen „Ökoaspekt“ hatte, liest der Froschkönig – wenn überhaupt – hier zum ersten Mal.
Wenn es dann doch irgendwie mal zur Sprache kam, war ich mit Antworten in der Art, dass es doch nicht so schlimm ist, wenn wir am Wochenende 3 Brötchen wegschmeißen, eher unzufrieden. Mit der Folge, dass ich einfach teilweise Dinge nicht gekauft oder ohne drüber zu reden gemacht habe.

Und dann kam ein Erlebnis zu Beginn unseres Urlaubs Ende April, das uns wohl beiden nochmal sehr deutlich gemacht hat, wie wichtig dieses Thema doch eigentlich für uns ist. Als wir im langsamen Sinkflug waren, konnte man irgendwas auf dem Meer schwimmen sehen. Ich kann es nicht zu 100% sicher sagen, vermute aber, dass es Müll war. Die Konturen haben sich gar nicht verändert während wir darüber geflogen sind und Schiffe waren es nicht, wäre auch zu viel dafür gewesen. Und selbst wenn es irgendwas anderes war, allein die Vorstellung, dass es das sein könnte und dieses Wissen, dass eben unglaublich viel Plastik in den Weltmeeren schwimmt, das mir da nochmal schmerzhaft ins Bewusstsein gekommen ist, war einfach richtig, richtig krass. Sogar der Froschkönig neben mir meinte:

„Boah ist das traurig!“

Rocky Beach Fuerteventura

An dem Abend saßen wir dann am Strand, haben da etwas gegessen und es war für uns beide absolut selbstverständlich, dass kein Zipfelchen der Verpackung vom Wind erfasst und weggetragen wird. Und drüber geredet haben wir auch, dabei aber unterschiedliche Ansätze vertieft:

  • Er setzt eher auf technischen Fortschritt: zum Beispiel riesige Filter, die an strategisch sinnvollen Funkten sämtliches Plastik aus dem Meer filtern sollen und möchte sich diesbezüglich auch informieren, welche guten Projekte man da unterstützen kann.
    Wenn man bedenkt, dass Entwicklungen sich immer mehr beschleunigen, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass wir zeitnah eine technologische Lösung finden.
  • Ich bin hier deutlich kleiner unterwegs und möchte erstmal hauptsächlich vor meiner eigenen Haustür kehren. Müll stärker vermeiden statt nur zu trennen, mehr darauf achten, wo die Dinge herkommen die ich kaufe und wie sie produziert werden. Und wenn ich etwas nicht mehr brauche, einen Weg finden, wie es sinnvoll weiter genutzt werden kann statt es einfach nur in die richtige Tonne zu werfen.

Also geht es bei mir hauptsächlich um Konsum.

Konsum findet in meinen Augen in dem Moment statt, in dem ich etwas kaufe. Den Herstellern, bzw. noch mehr den Händlern, ist wohl egal, ob ich das Einweggeschirr und die Alugrillpfannen im Schrank irgendwann noch benutze, oder ob die originalverpackt im Müll landen. Auch interessiert den Drogeriemarkt nicht, ob ich zu Hause noch 3 angebrochene Pakete Wattepads habe obwohl ich seit 5 Jahren waschbare Pads nutze – für ihn ist wichtig, dass ich vor 3 Wochen noch ein neues Paket gekauft habe. Interessant wird es für den Händler (und dadurch dann auch für den Produzenten) sobald ich etwas (nach)kaufe.

Wenn ich über Konsum nachdenke, fällt mir eine Passage aus meinem ersten GfK-Kurs im November 2014 ein:

Der Dozent, Torsten Hardiess, hat (sinngemäß) erklärt, dass wir nicht nur alle 4 Jahre, sondern jeden einzelnen Tag wählen. Wahrscheinlich hätte fast jeder von uns gerade Wahlscheine dabei. In dem Moment packte er sein Portemonnaie aus und holte einen 5-Euro-Schein raus:

Mit eurem Geld wählt ihr jeden Tag, wovon ihr mehr im Regal sehen wollt.

Und genau das ist für mich Konsum. Dieser Konsum drückt (m)eine Nachfrage aus und die wiederum bestimmt beeinflusst das Angebot.

Du wählst, was in den Regalen steht!

Insofern liegt die Verantwortung für das, was ich schon gekauft habe ausschließlich bei mir. Niemandem ist geholfen, wenn ich die Frischhaltefolie, die hier in der Schublade liegt, ungenutzt entsorge. Solche Dinge verkauft man aber auch nicht und im Fall von Frischhaltefolie würde ich es noch nicht mal verschenken. Andere Sachen, z.B. das bereits erwähnte – und leider nicht nur fiktive – Einweggeschirr, dass noch von der Einweihungsparty vor 7 Jahren übrig ist und auch die Grillpfannen, die ich seit Jahren gar nicht mehr nutze, habe ich inzwischen verschenkt. Ebenso acht neue Bürstenköpfe für unsere alten elektrischen Zahnbürsten.

Konsum ist übrigens auch jedes Mal, wenn wir irgendwelche Gratisproben, Werbegeschenke, etc. annehmen. Das fängt an bei der kostenlosen Wochenzeitung und betrifft auch die Artikel, die diversen Bloggern zur Verfügung gestellt werden. Mein Blog ist rein privat, hier gibt es keine „sponsored-posts“, aber von Freundinnen weiß ich, dass sie teilweise mehr Zeug bekommen, als sie überhaupt testen können. Und zu großen Teilen wird das auch einfach ungefragt zugeschickt.

Nein

sagen ist hier DIE Möglichkeit auszudrücken, dass keine Nachfrage da ist.

An diejenigen, die hin und wieder zu Messen gehen:
Wie viel von dem, was euch da geschenkt wird, schmeißt ihr zu Hause nach kurzer Betrachtung in die Tonne?

Man kann doch kurz stehen bleiben, sich angucken, was auf dem Flyer steht, der einem gerade gereicht wurde und ihn zurückgeben, wenn’s nicht relevant ist. Und wie viele Kugelschreiber brauchst du wirklich? Wie viele landen nach Jahren im Müll, weil sie dann nicht mehr schreiben ohne auch nur 1x benutzt worden zu sein?

Der Froschkönig und ich sind zwei sehr unterschiedliche „Konsumtypen“:

  • Er ist eher technisch orientiert, kauft sich alle 2 Jahre ein neues Smartphone (bevor er das iPhone genutzt hat, war es eher jährlich oder noch häufiger), etwa genauso häufig ein neues Notebook und so Sachen wie ein Soundsystem, Hausautomatisierung, elektrische Rasierer, ein ferngesteuertes Auto, etc.
    Hin und wieder dann eine ganze Menge Kleidung, dabei aber gefühlt nie mehr, als man(n) wirklich braucht. Und die laufenden Verbräuche, die ein Haus so hat: Strom, Gas, Wasser, …
  • Bei mir ist es eher Kram. Klamotten, Schuhe, Notizbücher und anderen Schreibkram, Wolle, Stoffe, Duftlampen, Teelichtgläser, Kleinstmöbel und Kosmetikzeugs. Eine Zeit lang war hier Haarschmuck noch ein riesiger Posten, das habe ich aber schon länger deutlich reduziert.
    Ich bin auch diejenige, die hier hauptsächlich für die Verbrauchsgüter wie Lebensmittel und Co. zuständig ist.
    Ärgerlich an der Kleidung ist, dass ich die zum einen teilweise schnell verschließe, weil ich irgendwelche riesigen Flecken drauf mache, die nicht rausgehen oder sie anderweitig zerstöre. Eine Bluse habe ich mal vor dem ersten Tragen kaputt gebügelt und dann gibt es da noch ein Teil, das ich letztes Jahr wegen der tollen Farbe gekauft, dann aber nie angezogen habe. Und dieses Jahr hätte EIN neuer Bikini gereicht, der andere war nicht nötig. Insbesondere im Punkt Kleidung kann ich also einen Gang runter schalten, oder auch zwei oder drei. Und vielleicht konzentriere ich mich auch mal auf ein paar ausgewählte Hobbies. Ich muss ja nicht stricken UND häkeln UND nähen UND Forken bauen UND bloggen UND, UND, UND.

Was ich sagen will: verwerten statt wegwerfen!

Die Kernaussage dieses Textes soll jedenfalls sein, dass es toll ist, wenn ihr nachhaltiger konsumieren wollt. Doch bitte, bitte denkt dabei auch darüber nach, was mit dem Zeug passiert, dass ihr bereits habt. Feiert in eurem Bekanntenkreis vielleicht jemand bald eine Party und kann dafür euer Einmalgeschirr gebrauchen? Auch wenn ihr zum Abschminken keine Wattepads mehr nutzt – Nagellack lässt sich nicht rauswaschen, dafür könnt ihr die Dinger noch brauchen, zumindest ein paar.
Und die ganzen Putzmittel, egal ob ihr sie nach und nach aufbraucht oder komplett wegschüttet, sie landen im Müll und/oder Gulli. Braucht das Zeug auf, dann erfüllt es seinen Zweck auch wenn ihr so erst später all die tollen ökologischen Alternativen ausprobieren könnt.

Wenn also deine Kleidung gut sitzt, du dich drin wohl fühlst und sie nicht gerade komplett voll mit Schadstoffen ist: trag‘ sie weiter! Wenn es dir ein Anliegen ist, achte bei Neukäufen auf Material, Herkunft und so weiter.

Zum Abschluss noch ein Zitat aus einer Zero-Waste-Ratgeber-Leseprobe:

Die Erde möchte nicht gerettet werden.

Stimmt. Wir wollen uns retten. Unser aktuell gefühlt bequemes Leben. Die Erde hat Zeit. Die erholt sich wieder. Dann halt ohne uns. Dann war’s das mit dem Konsum. Vielleicht zieht ja unsere eigene Evolution dann auch irgendwann nach und wir können uns von Polyester ernähren?!

Was ich wie bereits gesagt vorher wirklich gerne kaufen würde, ist neu neuer Wasserkocher. Könnt ihr mir da BITTE einen empfehlen? Aus Edelstahl/Glas mit konkreter Temperaturvorwahl sind die wesentlichen Anforderungen.

Und welche sind eure größten Konsumschwächen?

3 Gedanken zu „Konsum

  1. Meine größte Konsumschwäche sind gar nicht so sehr die Klamotten. Ja, ich habe viel, aber ich ziehe alles früher oder später (besondere Gelegenheiten) an und leider ja, brauche ich 7 Stück schwarze Tops. Habe ich mir letztens selbst bewiesen.
    Was für mich viel schlimmer ist, ist Essen in Umverpackung. Beim Bäcker die Papiertüte, wenn ich nur schnell eine Brezel will oder der Müsliriegel mit seinem Plasik. Schokolade… Das finde ich aber auch ganz schwer zu reduzieren.
    Man kann sich Essen mitnehmen, ja, aber früher oder später kommt man an einen Punkt, wo man sich doch etwas kauft (und wenn es nur Essen im Supermarkt für den normalen Bedarf ist) und dann ist da IMMER irgendwo Plastik mit dabei. Und das wurmt mich total.

    Und ich bin ganz bei dir, was das angeht: Erstmal aufbrauchen, man hat es ja bereits gekauft und es wurde schon hergestellt. Dann kann man neue, bessere, ökologischere Sachen anschaffen. Das übersehen aber wirklich viele…

    Alles Liebe
    Anna

    • Ich brauche 3 IDENTISCHE, dunkelblaue Tops, also dass du 7 schwarze brauchst ist für mich absolut plausibel!

      Ja, das Naschzeug ist echt schwierig… Es gibt so Phasen, in denen mag ich z.B. unglaublich gerne Schokobons. Verpackungstechnisch eine Katastrophe. Einzeln in Plastik gewickelt in einer Plastiktüte. Und ganz ehrlich: auch wenn die entsprechenden Riegel dann doch „besser“ verpackt sind, die schmecken anders. Weil ich einen krassen Süßigkeitenverzehr auch deutlich an meiner Haut merke, bemühe ich mich da also ohnehin darum, weniger davon zu essen.
      Und hier ist ja vielleicht der Punkt „Großpackungen“ eine Option. Muss man die Schokolade in niedlichen, kleinen, einzeln verpackten Täfelchen kaufen oder kann man auch einfach 4 Stückchen in einer Minibox mitnehmen? Zero Waste ist das sicher nicht, aber „Less Waste“.

      • Die Süßigkeitenreduktion nehme ich erst nach meinen Prüfungen in Angriff, vorher wird das nichts. 😀
        Less Waste formuliert das alles schon mal positiver 🙂 Aber trotzdem, wenn man Käse einkauft. Oder Haferflocken gibt es zum Beispiel im Edeka in einer Papiertüte. Der dm bietet sie in einer Plasiktüte an, aber dafür Bio. Worauf soll man jetzt Wert legen? In dem Fall bin ich klar für die Papiertüte, aber sowas ärgert mich immer, weil es einfach unnötig Plastik ist…

        Benutzt ihr eigentlich noch diese Zahnpasta-Ersatz-Drops? Das ist nämlich ein Punkt, den ich jetzt dann in Angriff nehmen will 🙂

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