Grenzüberschreitung

Das Jahr ist gerade erst 6 Wochen jung und ich habe schon meine erste richtig heftige Erkältung hinter mir. Für mich war das ein notwendiger Anlass, mich mit meinen eigenen Grenzen auseinanderzusetzen.

Ich bin sehr aktiv ins neue Jahr gestartet:

  • Jahreswechsel in Rom
  • direkt wieder zur Arbeit inklusive Wochenenddienst und hefitigem Konflikt
  • Prinzenproklamation
  • Proben für unsere Karnevalssitzungen
  • sportlich ging’s los mit #FBsweat

(Meine) Handyfotos sind doof, platt, körnig und transportieren einfach nicht, wie es sich anfühlt da zu stehen: als würde man durch ein Fenster in eine andere Zeit blicken.

Durchgehalten habe ich das nur eine Woche und dann – begleitet von groooooßer Unzufriedenheit – nicht mehr alles geschafft, was ich mir vorgenommen hatte:

  • statt Literaturrecherche für’s Diplomthema und Sport habe ich auf dem Sofa gefaulenzt
  • meine To-Do-Liste ist auch an meinem freien Tag nicht wirklich geschrumpft
  • geschafft habe ich nur einen Termin: Damensitzung in Vettweiß.

Den Gnadenstoß hat mir schließlich Schlafmangel gegeben und ich lag von Freitag bis Montag flach. Eigentlich hatte ich zugesagt an dem Sonntag auf einer anderen Station einzuspringen. Mein Körper war anderer Meinung. Als Gesundheits- und Krankenpflegerin, die angeblich so gut auf ihre eigenen Grenzen achtet, habe ich tatsächlich auch jetzt noch ein schlechtes Gefühl deswegen. Und das widerum macht mich wütend. Wer krank ist ist krank. Kommt vor. Punkt.

Oder auch nicht?
Ich glaube halt, dass es vermeidbar gewesen wäre. Weniger auf einmal, mehr Schlaf.

Oberste Priorität: Diplomarbeit!

Aktuell denke ich darüber nach, was ich neben Job und Diplomarbeit aktuell noch schaffen will und vor Allem: was daneben wirklich noch möglich ist.

  • So gerne ich mit einen wirklich fitten Körper gönnen würde, und so sicher ich mir auch bin, dass es besonders mein Wohlbefinden, aber auch meine Leistungsfähigkeit steigern würde: einen festen Trainingsplan kann ich wohl aktuell nicht einhalten. Auch nicht mit 30 Minuten täglich. Ein bis zwei Mal pro Woche irgendeine Form von Sport könnte ein gutes Maß sein.
  • In den nächsten Wochen wird Karneval viel Zeit in Anspruch nehmen: „normale“ Proben, Generalprobe, vier Sitzungen, Altweiber?, Rosenmontagszug

Da ich aktuell in erster Linie das Thema für meine Diplomarbeit konkretisieren, eingrenzen und ausarbeiten möchte, bleibt daneben nicht viel Zeit. Und die Zeit, die übrig bleibt möchte ich gut nutzen. Selbstfürsorglich. Zeit mit dem Froschkönig verbringen, gesundes Essen. Tatsächlich habe ich durch Karneval ja viel Bewegung und auch weitere soziale Kontakte.

Zeitmanagement

Nach der Arbeit kann ich mich oft nicht auf mein Studium konzentrieren, ich bin müde, hab noch zig andere Dinge im Kopf, etwa was es denn abends zu essen gibt, ob/was ich noch einkaufen muss, Wäsche.

Hier möchte ich etwas Ordnung rein bringen und habe versucht uns einen kleinen Rabtierfütterungsplan für die kommende Woche zu erstellen. Umgesetzt habe ich davon allerdings dann nichts. Ich kann mein Essen (aktuell) nicht planen und gehe weiterhin etwa jeden zweiten Tag einkaufen.
Was gut klappt, ist das Waschen am Wochenende. Mache ich jetzt seit 2 Wochen und bewahrt mich davor um 22 Uhr festzustellen, dass ich ja noch irgendwas zum Trocknen aufhängen muss.

Der richtig wichtige Punkt ist Schlaf.
Ich bin mir wie gesagt sicher, dass der Schlafmangel den letzten Motivationskick gegeben hat, in mir eine riesige Party zu feiern.

Der Froschkönig arbeitet momentan extrem hart und auch lang. Dass er die Energie dafür hat, ist schon ein kleines Wunder, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich wohl denken, er pusht sich mit irgendwelchen illegalen Drogen oder Medikamenten. Tatsächlich bin ich mir sicher, dass sein Körper selbst diese „Aufputschmittel“ freisetzt, weil er soooooo voller Begeisterung bei der Sache ist. Seine berufliche Situation hat sich in der letzten Zeit zu einem echten Abenteuer entwickelt.
Mein Körper schüttet jedenfalls nix besonderes aus, mein Schlafbedürfnis ist „normal“ und aktuell erhole ich mich noch immer von dem echt ätzenden Infekt. Also viel und regelmäßiger Schlaf für mich. 22 Uhr ins Bett gehen ist das Ziel, in Ausnahmen 22:30 Uhr, nach den Proben spätestens um 23 Uhr. Hat leider aktuell den Effekt, dass der Froschkönig und ich uns fast ausschließlich am Wochenende sehen. Määäähhhh!

Prioritäten überdenken und Grenzen akzeptieren

Dass Karneval 2017 so dermaßen viel Zeit frisst, hätte ich nicht erwartet, als ich mit diesem diesem Text begonnen habe. Rational betrachtet ist meine oberste Priorität weiterhin das Studium. Vom Stundenumfang her liegen Schlaf und Arbeit gleich auf und werden dann gefolgt von der Nahrungszufuhr inklusive aller Vorbereitungen und eben meinen jecken Aktivitäten. Gefühlt sollte ich mir nicht die Frage stellen, was neben Arbeit und Studium möglich ist, sondern was neben Arbeit und Karneval noch geht.

Mich macht das UNZUFRIEDEN!
Ich will dieses verdammte Diplom endlich in der Tasche haben! Lieber gestern als morgen!

Und gleichzeitig möchte ich auf nichts verzichten. Nicht auf den Froschkönig, nicht auf Karneval und auch nicht auf die Dinge, auf die ich ja schon verzichte: Sport, Freunde treffen, die nichts mit Karneval am Hut haben und einfach mit gutem Gewissen faulenzen.

Für Treffen mit Tanja ist in meinem Terminplan leider gerade gar kein Platz

Fakt ist, dass ich es so nicht schaffe.
Entweder ich bekomme jetzt noch ganz schnell die Kurve: mein Verstand kapiert, dass mir dieses Diplom gerade nicht so wichtig ist und auch mein Gewissen rafft dass ich das Diplomthema erst nach Karneval sinnvoll in Angriff nehmen kann.
Oder: irgendwo kommt so ein Energieschub her, wie ihn der Froschkönig hat und ich ziehe jetzt ohne gesundheitliche Einbußen noch 3,5 Wochen alles parallel durch. Aus Unzufriedenheit wird dieser Schub allerdings wahrscheinlich nicht kommen. (Jetzt könnt ihr mich mit einem trotzigen Kind im Supermarkt vergleichen: ich will aber!)

Wie war das mit der Gelassenheit?

Ich geh dann mal wieder auf die Suche… und staune darüber, dass ich jetzt wirklich schon wieder einen so persönlichen Artikel online stelle. Ist das jetzt noch mein gewollt oberflächlicher Blick? Mich damit jetzt noch weiter auseinanderzusetzen würde diesen Text hier jedenfalls vollends explodieren lassen.

In diesem Sinne: Alaaf!

7 Gedanken zu „Grenzüberschreitung

  1. Falls es dich beruhigt: Während meiner Bachelorarbeit, während meiner Masterarbeit und im Endspurt meiner Doktorarbeit ist mein Privatleben komplett zum Erliegen gekommen. Und ich meine komplett. Keine Beziehung, keine Freunde treffen, keine Hobbies, rein gar nichts. Ein Minimum an schlafen und essen und vor allem Recherche, Analyse und Schreiben. Das alles so locker nebenher zu schaffen ist ehrgeizig und das kriegen wirklich wenige (gut) hin. Mach dich also nicht verrückt, wenn du in dem Fall nicht zu den wenigen gehörst sondern zur Mehrheit. Das ist keine schöne Zeit, aber letzten Endes muss man da durch, wenn man das Ziel im Blick hat.

    • Tatsächlich macht genau das mir Angst! Ich befürchte, mein Diplom am Ende doch nicht zu packen.
      Auch wenn ich immer wieder sage und schreibe, dass dies aktuell meine 1. Priorität ist: ich lebe es gerade anders und bin auch nicht bereit das wirklich zu ändern. Wenn ich daran denke, dass die Konsequenz sein könnte, dass ich es eben wirklich nicht packe, fühle ich mich unglaublich schlecht, könnte losheulen wenn ich allein wäre. Statt zu weinen nehme mir für ein halbes Stündchen meine bisherigen Unterlagen und dann war es das auch schon wieder.
      Ich kann da nicht wie die Mehrheit rangehen und habe Angst zu denen zu gehören, die scheitern. Und genau diese Angst macht mich verrückt.

  2. Was mir immer geholfen hat war mir einen Plan zu erstellen. Die Arbeit in verschiedene kleinere Schritte einzuteilen, die dann auch weniger furchteinflösend aussehen als die Arbeit als ganzes und dann festzulegen bis wann ich welchen Schritt geschafft haben will. An diesen Plan habe ich mich dann penibel gehalten.

    Angst ist der größte Gegner. Angst zu versagen oder den eigenen Ansprüchen nicht zu genügen hält einen am Meisten davon ab die Arbeit tatsächlich praktisch anzugehen, dabei sieht die Arbeit soviel weniger furchteinflösend aus, wenn man dabei ist.

    Genauso mit dem Schreiben selbst. Viele machen sich verrückt, weil sie den perfekten Text produzieren wollen und sitzen am Ende des Tages immer noch vor der leeren Seite ohne den ersten Satz geschafft zu haben. Der erste Satz oder Abschnitt muss nicht perfekt sein. Einfach loslegen. Irgendwie anfangen. Irgendwann kommt man in den Schreibfluss und ab da läuft’s. Den ersten oder auch alle weiteren Absätze ändern kann man zu jedem Zeitpunkt immer noch. Meistens schmeisst man seine Gliederung sowieso später über Board, weil man beim Schreiben sieht, dass es anders sinnvoller wäre. Aber umordnen/ändern von Absätzen ist so viel leichter als neu schreiben.

    • Im Erstellen von Plänen bin ich gut. Hab ich auch schon gemacht, aktuell habe ich als Teilziel, ein bestimmtes Buch zu lesen, bzw. täglich ein Kapitel davon. Gelingt mir derzeit leider nicht, bin aber zuversichtlich, dass sich das in 2,5 Wochen ändert.

      Ja, Angst meinen eigenen Ansprüchen nicht zu genügen hat mich in der Vergangenheit schon oft davon abgehalten etwas frühzeitig anzugehen, ich glaube, darüber habe ich sogar mal gebloggt. (Der Artikel heißt „Vermeidungsstrategie“ und ist aus 2010)
      Denn wenn es dann in die Hose geht, habe ich einen guten Grund dafür: ich habe nicht genug getan bzw. nicht früh genug angefangen etwas zu tun. Ist dann irgendwie doch leichter zu verkraften als „ich habe alles gegeben und es ist dennoch nichts besseres bei rum gekommen“. So bleibt die Illusion, dass wenn ich mehr bewirken könnte als das, was ich dann tatsächlich erreiche.
      Irgendwie wäre ich ja schon neugierig, wie gut ich denn in irgendwas sein kann, wenn ich mal 100% dafür gebe.

      Oh ja, das mit dem Ändern der Gliederung kenne ich nur zu gut. War sowohl bei meiner empirischen Studie 2015 so, als auch bei der Projektarbeit 2016.

  3. Belohnung hilft auch die Zeit durchzustehen. Nimm dir irgendetwas schönes für danach vor, wenn du es geschafft hast. Und natürlich schaffst du es! Warum auch nicht?! Du hast alles, was du dazu brauchst und schreiben kannst du.

    • Wie blöd, dass ich schon mittendrin gleich zwei bis drei „belohnungstaugliche“ Dinge vor habe: Zwei Wochenendtrips mit Freundinnen und eine Fernreise mit dem Froschkönig. Klingt nicht nach 100%, oder?

      Vielen, vielen Dank auf jeden Fall für deine Kommentare! Das hat mir doch sehr geholfen, mich nochmal weiter damit auseinanderzusetzen. Die Fernreise könnten wir sicher gut in den Herbst schieben, meine „Meilensteinplanung“ kann ich gut nochmal überdenken und an aktuelle Gegebenheiten anpassen. Und mich nochmal an meine „Vermeidungsstrategie“ zu erinnern war wirklich nötig. Die oben erwähnte Neugier könnte ein echt guter Ansporn sein!

  4. Huhu Andrea!
    Niemals nicht an anderen messen, nein, nein, nein! Dasoist optisch/ästhetisch/körperlich schon etwas, was enorm unter Druck setzt und da weiß man ja eigentlich, dass dem echte Grenzen gesetzte sind, weil wir eben einfach alle anders aussehen. Aber im Leistungssektor schlägt das dann richtig aufs Gemüt, grad wenn du den werten Herren daheim hast, der arbeitet wie eine Maschine und man sich denkt, das muss doch zu schaffen sein?! Ich bin doch nicht zu doof dafür, es liegt doch nur am zeitmanagement. Oder? Oder??? Nein. Du bist nicht er. Du bist auch niemand anderes als du.
    Du liebst Karneval? Okay, dann verschiebt sich die Diplomphase eben ein paar Wochen nach hinten. Du willst dein Diplom unbedingt? Okay, nächstes Jahr ist wieder Karneval. Eins nach dem anderen. Das Parallele ist das Fordernde, wenn es keine Routinen sind und weder Karneval noch das Diplom lässt sich routinieren.

    Ich persönlich würde an deiner Stelle denke ich jetzt Karneval machen (du weißt ich bin echt kein Jeck, aber wäre ich eben an deiner Stelle) und danach ist deine Fastenzeit eben „Freunde-fasten“ oder wie auch immer. Auf jeden Fall Diplomzeit. Dann wird das durchgekeult. Und wenn du den Froschkönig weniger siehst: grad er sollte Verständnis haben für berufliche Ziele. Und wenn du deine Freunde weniger siehst: Die sind in ein paar Wochen auch noch da. 🙂 Und wenn da eben kein Sport in der Zeit ist. 6 Wochen Grippe haben auch keinen Sport im Plan, z.B. Und wenn du eben ein paar Wochen weniger frisch kochst, dann ist das eben so.
    Mein Hürde wäre der Haushalt hauptsächlich, ich krieg ja nix gebacken, wenn es um mich herum nicht ordentlich ist, wobei ich da derzeit auch echt meine persönlichen Grenzerfarhungen mache mit dem Grad an Dreck, den ich aushalte… 😀

    Mir geht es in gewisser Weise ähnlich mit meinem Buchprojekt und dem Baby nun. Tja, nur letzteres lässt sich nicht aufschieben, von daher istd as zumindest keine echte Entscheidung, die ich treffen muss, nur hatte ich mir das unschwanger auch echt anders vorgestellt. Da gibt es doch extra Bücher für Muttis, die dann in der Schwanegrschaft und der Elterzeit ihr Business gründen und so. Da kann ich grad nur müde drüber grinsen. Aber daran hatte ich eben gedacht, als ich mich auf das Baby eingelassen hatte, gutgläubig, das wird schon. Wird es nicht. Bzw, wird es nun sehr anders. Bisl frustig (bisl sehr frustig…), aber nun denn.

    Alles Liebe,
    Heike

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