Hamburg, Pinguine und ein Spargeltarzan

Der Froschkönig hat ein Diplom!
Und aus diesem Anlass, sind wir an einem Donnerstag im November in Richtung Hamburg aufgebrochen.

 

Das Hotel:

Nachdem er bei seinen Studienbesuchen sonst eher in einem sehr schlichten Hotel war, sollte es ein etwas besseres sein.
Nun gut.

An die Suite im Hotel am Schlosspark in Stuttgart vor 4 Jahren kam es nicht heran.
An das Mariott in Hamburg vor 2 Jahren auch nicht.
Auch das andel’s in Berlin letztes Jahr gefiel mir besser.
Aber immerhin war das Frühstück besser, als vor 5 Jahren im Motel One in Stuttgart.
Und man will da ja meistens auch nur schlafen und frühstücken.

Das Bett war in Ordnung.
Interessant waren die Dusche und generell die Wasserleitungen: Sobald man im Bad Wasser laufen ließ, hörte man laute Geräusche in der Wand. Egal ob Waschbecken oder Dusche. Wirklich spannend wurde es aber, wenn man in der Dusche dann vom Badewannenzulauf auf die Brause umgestellt hat:
Es qietschte so laut, dass sogar der Kommilitone im Zimmer nebenan noch gehört hat, wann wir duschen. Ein richtig lautes Geräusch. Fast so, als würde eine ganze Armee von Hamstern die Pumpe antreiben, um das Wasser nach oben zu befördern.

Aber geschlafen habe ich gut. Und selbst, als ich Freitag Vormittag noch etwas Zeit alleine dort verbracht habe, war der Lesesessel doch sehr gemütlich.

Und die Hotelbar war auch ganz gut. Ein paar kleine Snacks, wovon ich auch am Anreisetag einen gegessen habe, und eine große Auswahl an Cocktails.

 

Variable:

Nach dem kleinen Hotelbarsnack sind wir mit einem Geschäftspartner essen gegangen. Die Pizza dort sollte gut sein. Ich war trotz Snack noch so hungrig, dass mir die Zwiebelsuppe, die am Nachbartisch so unglaublich gut duftete, als etwas zu wenig erschien.
Trotz des appetitlichen Geruchs, habe ich mich für eine kleine Pizza Mozarella entschieden.

Böser Fehler!

Die Pizza kam. Schon die beiden kleinen Basilikumzweige waren eher dekorativ, als geschmacklich von Bedeutung.
Vorher kannte ich Pizzen, die entweder zu matschig, zu trocken, kalt, hart oder sonst irgendwie hauptsächlich aufgrund ihrer Konsistenz nicht zu empfehlen waren.
Diese Pizza hingegen hatte einen tollen Teig, nicht zu knusprig, nicht matschig, nicht  hauchdünn, nicht zu dick. Der Belag war, von den Basilikumzweigen abgesehen, optisch sehr gut.
Leider war der Geschmack zwar vorhanden, aber alles andere als lecker. Sie schmeckte nicht nach Tomate, nicht nach Käse, nicht nach Teig. Es war ein Geschmack, den ich am ehesten mit dem Geruch von „Staubsaugerluft“ assoziieren würde.

Ich habe sie trotzdem etwa zur Hälfte gegessen. Aber als der Froschkönig am Freitag Pizza als Mittagessen vorgeschlagen hat, waren sein Kommilitone und ich uns einig, dass wir erstmal genug von Pizza haben. Seine war wohl auch nicht besser.

 

grill&green:

Wir hatten uns also mehrheitlich gegen Pizza entschieden und sind dann bei der Suche nach einer Alternative auf dieses Restaurant gestoßen. Das war gut!

Ich hatte die leckere Kombination „Salad&Soup“, was am Freitag eine Krabbensahnesuppe mit Scampi im Kartoffelnest auf einem Kräutersalat war. Sehr zu empfehlen! Und auch der Schokoldenbrotpudding, von dem mir die Bedienung leider nicht sagen konnte was es ist, war gut. Besonders die oberste, knusprig-schokoladige Schicht war köstlich! Das Filetsteak von Froschkönig hätte mir aber auch gefallen…

 

Ein Papagei unter Pinguinen:

Die beiden frisch diplomierten Herren sind mit mir im Anzug durch die Stadt gelaufen. Beide mit weißem Hemd und Krawatte. Wirklich fast wie zwei Tuxe. Dagegen kam ich mir mit lilafarbenem Rollkragenpulli wirklich sehr farbenfroh vor. Aber ich habe ja schon letzten Monat festgestellt, dass ich dringend wieder einen schwarzen Blazer benötige.

Den habe ich auch bekommen!

 

Lloyd:

Neben einem schwarzen Blazer habe ich mir auch noch ein paar Schuhe gekauft. Schwarze Schnürpumps mit gut tragbarem Absatz.

Erschreckend war allerdings, dass in einem Geschäft für Schuhe ab 100€ zunächst nur eine offenschtlich vorurteilsbehaftete Verkäuferin war. Und die war maßlos überfordert, sich zwischen einer jungen Kundin mit Allwetterjacke und einer Endvierzigerin im „kamelfarbenen“ Mäntelchen zu entscheiden.
Jedes Mal, wenn ich sie dazu genötigt habe, mir doch nochmal ein anderes Paar Schuhe in Größe 36 zu holen, entschuldigte sie sich bei ihr vielmals. Mir hat sie dann schnell einen Schuh in der gewünschten Größe hingestellt und ist unmittelbar wieder zur anderen Kundin. Auch als ich dann den zweiten Schuh anprobieren wollte, entschuldigte sie sich erneut. Nicht bei mir.
Vermutlich ist es auch ihren Vorurteilen gegenüber meiner Kaufkraft geschuldet, dass ich diejenige war, die keine kontinuierliche Beratung durch sie erhielt. Es kam zum Glück irgendwann Hilfe.

Ich wurde also fortan von einem Herrn mit eindeutig verkaufsförderndem Servicegedanken bedient. Er hat meine Passformprobleme (sehr niedriger Spann) erkannt und mir eine entsprechende Lösung angeboten.

Ich habe die Schuhe, samt Einlagen und Spitzenpolstern, gekauft. Aber der Froschkönig, der durchaus auch von einem weiteren Paar Lloyds zu überzeugen gewesen wäre, hat auch aufgrund mangelndem Service nichts gekauft.
Auch 2 Verkäufer erschienen mir doch zu wenig für einen Laden in bester Innenstadtlage mit nicht unbedingt niedrigem Kundenverkehr.

 

Stadtspaziergang:

Als wir gefahren sind, hat der Froschkönig mich gefragt, ob ich denn die Kamera mitnehmen möchte. Natürlich wollte ich das! Nur wenn sie dabei ist, kann man damit fotografieren. Und lieber, ich trage sie einige Kilometer umsonst, als mich darüber zu ärgern, dass ich mal wieder keine Bilder für’s Album habe. Samstag habe ich mich dann gezwungen Fotos zu machen. Hätte ich das nicht, würde der Froschkönig beim nächsten mal sagen, dass die Kamera nicht mitkommt, weil ich ja ohnehin keine Bilder mache.

Toll waren die Bilder daher nicht. Es gab nichts, was ich jetzt unbedingt mit der Spiegelreflex ablichten wollte. Aber was muss, das muss. Es folgen also in einem späteren Artikel noch ein paar „Zwangsimpressionen“.

 

Spargeltarzan:

Die Frau des Kommilitonen hatte sich für dieses Wochenende einen Musicalbesuch gewünscht. Ich war ja sehr, sehr skeptisch. Soooo besonders fand ich solche Veranstaltungen nie. Gaudi in Alsdorf war zwar schon irgendwie etwas besonderes, aber mehr, weil die Darsteller anschließend noch mit im Biergarten gesessen haben.

Ich habe meine Meinung geändert. Tarzan war super!

Die Musik war mir vorher gänzlich unbekannt und auch dass der Zuschauerlauftraum eigentlich Teil der Bühne ist wusste ich erstmal nicht.

Aber einen Menschen, der mit Affen aufwächst und sich von Baum zu Baum schwingt hätte ich mir eigentlich etwas weniger schmächtig vorgestellt… Wir haben übrigens das „Tarzan-Traumpaar“ aus Alexander Klaws und Nadja Scheiwiller in der Vorstellung gesehen.
Gab es nicht früher Erst-, Zweit- und Drittbesetzung?

Spaß hat’s auf jeden Fall gemacht… Ob andere Musicals tatsächlich auch gute Unterhaltung wären?

 

Hamburg hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. So Städtekurztrips hab ich doch wirklich gerne.

Im März geht’s nach München!

 

Festival und Karneval, zwischen Mystik und Konsum

Wenn vom ersten Entwurf eines Artikels zu viel Zeit vergeht, ist das hier ein schlechtes Zeichen. Solche Texte werden nie veröffentlicht. Beispiele dafür sind z.B.:

  • „Zugabe unmöglich“, mein Bericht zum Combichristkonzert im Dezember 2009
  • „Die Qual der Wahl“, über die große Auswahl bei der Fliesenbemusterung, Hausbau halt
  • „Die Ferne naht“, Gedanken über den mittlerweile bewältigten Umzug

Irgendwann sind diese Texte überholt.

Auch das Amphi-Festival 2011 ist mittlerweile lange her und mein Ärger über den Vergleich aus vielen Berichten anderer Blogger hat sich etwas gelegt. So hat etwa Robert alias Spontis  seinen Beitrag dazu einfach „Schwarzer Karneval in Köln“ genannt, und auch Sabrina spricht vom „Gothic Karneval mit Schattenblicken“.
Während Sabrina nur kurz den Artikel von Robert erwähnt und dann darauf verweist, dass nicht alles so fürchterlich war wie dieser „Karneval“, erläutert Robert ausführlich, das „Karneval“ für all das steht, was den Festival-Genuss beieinträchtigt hat, für betrunkene Menschen, die weder die Kloschüssel, noch den Mülleimer treffen. Für „Cyber“, was ich mich optisch eher an alte Loveparade-Fotos aus Berlin erinnert, als an Karnevalsumzüge mit Fanfaren und Clown-Kostümen.

Natürlich, im heutigen Karneval ist Alkohol allgegenwärtig. Wenn ich an meinen eigenen Zustand bei der letzten Rathauserstürmung denke – erinnern kann ich mich nicht mehr an vieles. Und auch Müll ist ein Problem, dass in den Karnevalshochburgen nicht nur nach den großen Umzügen am Rosenmontag, sondern auch z.B. am 11.11. und eben nach allen Rathausstürmungen bewältigt werden muss.
Doch ist das alles wirklich ein typisches „Karnevals“-Problem? Ein Problem ist es, ohne Frage. Jedoch findet es sich an vielen Orten und bei vielen Gelegenheiten. Es ist ein „Feier- und Generationen-Problem“. Egal was Menschen feiern, und hier ist auch egal, ob es sich um Gothics, Raver oder Karnevalisten handelt, sie feiern es heute meistens mit Alkohol. Weil Alkohol enthemmt und das ist gewünscht. Sich einmal von den Zwängen des Alltags befreien und sich gehen lassen. Und das Müllproblem kennt man doch schon von kleineren Privatfeiern: Sobald man dort Einmalgeschirr benutzt, stehen überall Teller rum, selbst wenn ausreichend Müllbeutel an Tischkanten, der Küchenzeile, etc. hängen. Servietten bleiben auf dem Tisch liegen und vielerorts stehen halbvolle Plastikbecher herum. Warum sollte das im Großen besser funktionieren?

Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses besoffene, vermüllende Verhalten nicht das ist, was „Karneval“ ausmacht. Hierzu ein kleiner Exkurs zur Geschichte des Karneval:

Als Kind wusste ich nur, dass man mit den bunten Kostümen die bösen Geister vertreiben möchte. Heute weiß ich, dass man früher gleiches mit gleichem bekämpft hat. Die Geister, die im Dunkeln umherirren, also vorwiegend in den Wintermonaten, wurden Anfang November in die Häuser gelockt. Hier kann man sich die Martinsumzüge mit Laternen und Gesang vor Augen vorstellen, die bald wieder von Grundschulen und Kindergärten veranstaltet werden. Und wenn der Winter vorrüber war, sollten die Felder auch wieder fruchtbar werden, dafür mussten die Geister verschwinden. Also hat man die Nacht zum Tag gemacht, sich als Gespenster verkleidet und die ruhelosen Seelen mit Fackeln, Gesang und viel anderem Lärm aus der Stadt vertrieben. Nächtliche Zusammenkünfte fand man noch nie allzu begrüßenswert, so dass diese so genannten „Geisterzüge“ irgendwann von den Karnevalsumzügen bei Tageslicht abgelöst wurden. Vor ziemlich genau 20 Jahren wurden sie in Köln jedoch wieder eingeführt, näheres dazu erfährt man hier: Geisterzug in Köln
Zudem war es auch eine Zeit, in der die weniger wohlhabenden Bürger, auf den Straßen – oft mit Masken, um nicht erkannt zu werden – gebettelt haben. Schließlich haben sie damals noch deutlich mehr unter den Härten des Winters gelitten als heute, da gab es noch keine Nebenkostenabrechnungen, in denen die Heizkosten auf das Ganze Jahr verteilt werden konnten. Der Auftragsmangel in Handwerksbetrieben erklärt sich wohl ebenfalls von selbst.

Karneval ist also eigentlich von einem gewissen Glauben an die Zeit nach dem Tod verbunden, dieses Fest hat einen sehr mystischen Hintergrund. Karneval verkörpert wohl vieles von dem, was sich die „alteingesessenen Gothics“ auf die Fahnen schreiben: Mystische Geschichten sind faszinierend, der Tod übt eine gewisse Anziehungskraft aus, Friedhöfe haben dieses gewisse Flair. Wie viele Leute haben in ihren Beiträgen zum Gothic-Friday schon eine Vorliebe für Friedhöfe benannt?
Karneval führte den Menschen, die genug hatten, denjenigen, die sich auch im Winter gut ernähren konnten und ohne größere Anstrengung überleben konnten, die Armut der Arbeiter vor Augen. Er klagte die damalige „Spaßgesellschaft“ in gewisser Weise an und forderte sogar etwas ein.
Hier gibt es wenig Gemeinsamkeiten. Die „schwarze Szene“ lehnt die Spaßgesellschaft ab. Allerdings macht sie nicht auf sich aufmerksam sondern leidet eher stumm vor sich hin. Wobei stumm nicht ganz stimmt. Da sind kritische Liedtexte, Gedichte, Gedanken, die niemals in Worte gefasst werden. Aber all das bleibt hauptsächlich innerhalb der „Szene“.
Karneval hat sich ursprünglich geisterhaft gekleidet. Wie stellt man sich Geister vor? Ich stelle sie mir wie eine blasse Version des ursprünglichen Menschen vor. Und genau das sind doch auch die meisten in der „schwarzen Szene“ freiwillig. Blass. Sie meiden die Sonne oder setzen sich ihr nur mit hohem Sonnenschutz aus.
Einige Gemeinsamkeiten mit der „schwarzen Szene“ im Allgemeinen also.

Davon ist nicht mehr viel Übrig im heutigen Karneval. Um am offiziellen Straßenkarneval teilnehmen zu können braucht man viel Geld und Geister werden nicht mehr mit Geistern bekämpft sondern mit viel lauter Musik, bunten Farben und oft künstlich herbeigeführter guter Laune. Mittel der Wahl ist meist der Alkohol.

Ein Festival hingegen ist nichts mystisches. Gerade das Amphi, the Orkus Open Air, galt von Anfang an als Musikfestival. Die Musik und die Künstler sollen gefeiert, nicht vertrieben, werden. Ich erwarte davon also in erster Linie solche. Laute Musik um ehrlich zu sein. Live präsentierte Musik. Und genau das ist für meinen Geschmack in diesem Jahr Subway to Sally am besten gelungen. Sie haben aus ihrer Musik ein Gesamtwerk mit dem Publikum erschaffen. Die Menge brannte für ihre Musik und die Bühne brannte – dank Pyrotechnik – für beide. Warm war‘s!

Meine Fazit lautet:

Das Amphi erfüllt alle geweckten Erwartungen: das Feiern und Konsumieren von Musik. Karneval hingegen hat einen mystischen Hintergrund, lässt diesen jedoch nur noch selten erkennen und sollte eigentlich mit seiner Geschichte mehr Anziehungskraft auf das „schwarze Volk“ ausüben, anstatt nur als Metapher für Suff und Müll herzuhalten.

Projekt „Gothic Friday“ – Juni: Zu viele Konzerte sind zu schön, um sich auf eins festzulegen!

Der Tod des Internets ist magentafarben. Aber dazu irgendwann in einem eigenen Artikel mehr. Jetzt gerade habe ich einiges nachzuholen, fange ich einfach mal hinten an. Mit dem Gothic Friday #6 – Mein schönstes Live-Erlebnis.

Ganz subjektiv empfunden, war ich erst bei recht wenigen Konzerten. Neben meinen Festivalerlebnissen besteht meine „Live-Erfahrung“ aus einem peinlichen Event vor etwa 12 Jahren, einigen winzigen Veranstaltungen in irgendwelchen Jugendeinrichtungen, zwei Combichrist-Konzerten (2007 und 2009) und dem bereits hier erwähnten Mono-Inc.-Auftritt 2010. Beinahe wäre da noch ein Eric-Fish Konzert in Bochum hinzugekommen. Allein schon durch die Location  – eine Kirche – hätte dies wohl einen besonderen Stellenwert bekommen.

Und obwohl meine Erfahrung hier eher gering ist, gibt es nicht das eine, alles andere überragende, in den Schatten stellende Erlebnis. Es gibt viele, die alle durch bestimmte Umstände einmalig waren.

Ich lasse Rock am Ring komplett weg, obwohl da einige Perlen bei waren, so. z.B. Depeche Mode, Metallica, Bela B., …

2008 – Amphi-Festival zusammen mit Cersten und meinem „Mentor“ dem Antiheld: Mein persönliches Highlight war in diesem Jahr And One. Ich mag Elektroschlager!!! Das Wetter war perfekt, die Gesellschaft ebenfalls und die Laune war ganz oben. Als sie Military Fashion Show spielten konnte das ganze Wochenende nicht mehr besser werden!

2009 habe ich Mono Inc. entdeckt. Ein Zufallsfund. Wir sind einfach schonmal zur Hauptbühne, als sie dort anfingen zu spielen. Bei „Get Some Sleep“ war es um mich geschehen. Ich war Katha Mia verfallen. Dieses Konzert ist nicht mit dem späteren Auftritt in der Matrix vergleichbar, da hatte ich Erwartungen. An diesem Sonntag war ich einfach überwältigt.

Im Dezember des gleichen Jahres war ich in Köln bei Combichrist. Irgendwie zeichnen sich diese Konzerte nicht durch die Musik aus. Sie werden erst danach zu etwas Einmaligem. Die Essigfabrik war leer, es war kalt und ungemütlich. Die Show an sich unterschied sich nicht wirklich von der beim Amphi im Jahr zuvor. Einzig mein Blick hatte sich verändert. Ich war fasziniert davon, dass Joe Letz am Schlagzeug tatsächlich nur Socken trug.
 Und dank eines Aachener DJs kam ich erneut in den Backstage-Bereich und konnte Joe um etwas bitten. Eine Woche später, in Bochum, gab es dann das Ergebnis: Der „Mentor“ durfte vor dem Konzert auf seinem Schlagzeug spielen:

Und während ich das hier so schreibe, und an die Texte der anderen Gothic-Friday-Autoren denke, wird mir klar:
Ich muss Mitte Juli nach Köln! Ich habe da frei, verdammt!

His Statue Falls

Es gibt schon merkwürdige Zufälle. Da habe ich doch in meinem letzten Beitrag zum GothicFriday noch über die eigentlich eher unbekannte Band „His Statue Falls“ geschrieben, und schon finde ich diese Band im Facebook-Profil einer ehemaligen Arbeitskollegin.

Für mich entdeckt habe ich die Jungs im Sommer 2009, recht kurz nach dem Amphi auf einem kleinen Festival. Roda Rock. Durch einen Freund kam es, dass ich da im Bierwagen stand und gezapft habe. Die meiste Zeit jedenfalls.

Vom Lineup kannte ich dem Namen nach nur eine Band. Aus einer anderen kannte ich  – wie sich herausstellte als er vor mir stand – den Gitarristen.
Und irgendwann, als es schon dunkel war, brachten mich ein paar schmächtige Jungs  – unrasiert und ziemlich bunt gekleidet – dazu Interesse an einer CD zu haben.
Peter und Co. mussten mir den Namen der Kerlchen immer wieder sagen, schließlich sogar übersetzen, damit ich ihn mir merken konnte. Vielleicht nicht unbedingt die beste Marketingstartegie so ein Name… wobei ich ihn jetzt auch so schnell nicht mehr vergesse.
Leider gab es eine CD zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Mittlerweile gibt es sie und ich habe sie mir für verhältnismäßig viel Geld auch gekauft. Versandkosten sind eine Erfindung des Teufels!!!

Ein deutlisch elekronischer angehauchter Remix dieses Albums steht derzeit zum kostenlosen Download zur Verfügung. Zum Reinschnuppern aber nur bedingt geeignet, weil die mich so faszinierende Härte doch fehlt. Es ist dieser spannende Mix aus spielerischen Klängen, klarem Gesang und den rauhen Anteilen.

Sollten His Statue Falls nochmal hier in der Nähe spielen: Ich geh hin! Schließlich konnte ich ihr Konzert im Bierwagen nur eingeschränkt genießen und würdigen…

Wer kommt mit? 🙂

Jede Gruppe hat ihren Stern

Gestern war ich zum ersten Mal seit dem Sommer wieder bei einem Konzert. Zum ersten Mal seit Februar 2009 in der Matrix Bochum.

Und es war perfekt!

Beweggrund dorthin zu fahren waren die Mono Inc. Auftritte beim Amphi Festival der letzten beiden Jahre. Sie gehörten jeweils zu den Highlights des Festivalwochendes.

Der erste „Stern“ begegnete mir schon am Eingang. Ein Komiker. Frauen haben doch bekanntlich eine Rechts-Links Schwäche! Da kann man(n) doch nicht einfach, obwohl sie sich sicher für links entschieden hat, noch hinterherrufen

Links!

Ist doch selbstverständlich, dass sie sich dann umdreht und nach rechts geht!

Die Dame an der Kasse führte mich dann durch einen glücklichen Zufall – wer kann sich denn über 1,5 Jahre hinweg merken, dass man dort nur am Ausgang mit Karte zahlen kann, die aber am Eingang unbedingt Bares sehen wollen – zu einer Gruppe, die noch eine Eintrittskarte übrig hatte. 5 Euro Ersparnis weil ich noch eben am Geldautomaten war.

So ganz alleine kommt man sich irgendwie aber doch recht komisch vor, wenn man sich in einer großen Menschenmenge nach vorne drängt. Was macht man also? Man geht bis da, wo man bequem hinkommt und wartet. Dann kam Olli (oder Oli?). Er drängte sich an mir vorbei und ich hängte mich an seine Fersen. Einfach mal hinterher. Ein Glücksgriff. Er ging zu zwei weiteren Leutchen und denen fiel es sofort auf, dass ihm jemand gefolgt war. Uuups 😉 Asyl für ein Konzert und noch ein wenig Gesellschaft im Anschluss.

Das Warten auf das eigentliche Objekt unserer Begierde – Mono Inc. – gestaltete sich nun dank Marina (die Dame in der Dreiergruppe) deutlich kurzweiliger. Frauen können sich mit Lästerei eben die Zeit am leichtesten vertreiben.
Da war zum Beispiel der Sänger der Vorband. Ganz offensichtlich hatte selbst er verstanden, dass nicht er der Star seiner Band war, sondern der Gitarrist. Dieser überzeugte uns mit einem gelungenen „Bottleneck-Solo“ und der Abwandlung seiner E-Gitarre in ein Schlaginstrument, dass man auch mit Drumsticks spielen kann. Währenddessen machte sich der Sänger jeweils durch eine in Richtung des langhaarigen Solisten zeigende Heldengeste wirklich zum Affen.

Um ca. 21:10 Uhr war es dann so weit:
Mono Inc. betrat mit einer Abwandlung ihres Songs „Voices of Doom“ als Intro die Bühne. Die Matrix begann zu brodeln. Zwischen den Köpfen vor mir konnte ich immer wieder einen Blick auf Katha Mia erhaschen. Katha Mia. Wunderbare Katha Mia! Kein Mann kann am Schlagzeug eine so gute Figur machen wie sie. Schneewittchen teilt Schläge aus. Aber eben nicht an die sieben Zwerge, sondern voller Begeisterung an ihr Drumset.
Als der Sänger, Martin Engler, nach einer wenige Sekunden dauernden Pause alleine mit einer Akustikgitarre auf die Bühne zurück kam, kochte die Menge. Er erzählte vom Liebeskummer, von Wodka der uns davon abhält ins Bett zu gehen und dann auch davon wieder aufzustehen. Davon, dass sich ein Liebespaar nicht in Freundschaft trennt. Und sang „Life Hates  You“. Ganz alleine. Nur mit seiner Gitarre. Und noch mehr Lieder über die Höhen und Tiefen der Liebe.
Diese kleine Akustik-Set wurde abgeschlossen durch „The Passenger“. Das war schon beim Amphi der Wahnsinn, aber in der Matrix funktionierte es so richtig!

La La La La LaLaLaLa, La La La La LaLaLaLa, La La La La LaLaLaLa LaLa

Mittlerweile kämpfte Marina mit ihrer Begeisterung und der Mähne ihres Vordermanns. Kein Stern der Herr.

Der absolute Höhepunkt war IHR Solo. Katha Mia. Wunderbare Katha Mia. Zuerst ganz alleine am Schlagzeug, dann ganz alleine an einer einzelnen „Trommel“ und wieder an ihrem Schlagzeug. Während der Gitarrist der Vorband mit einem Drumstick auf seine Gitarre einschlug, drehte sie den Spieß um. Ließ die Drumsticks einfach weg und bezauberte uns indem sie mit ihren bloßen Händen die tollsten Rhythmen zauberte. Interaktive Soli könnte man das nennen:

Als Mono Inc. irgendwann nach zwei heißen Stunden als allerletzte Zugabe, wie auch beim Amphi, „Get Some Sleep“ spielte, war ich absolut überhitzt, nass geschwitzt und unglaublich froh da gewesen zu sein!

Amphi 2010

Liebes Internet,

wie versprochen folgt nun mein Bericht zum letzten Wochenende in Köln. Irgendwie bin ich unerwartet an VIP-Zutritt zum Festival gelangt. Da ich mit drei anderen Freunden dort war, habe ich den Bereich mit eingeschränktem Zutritt jedoch nicht von innen gesehen – ein wenig bereue ich das auch. Aber immerhin weiß ich jetzt wo er sich befindet!

Unser Wochenende startete bereits am Freitag mit der Warm-Up Party. Hätten wir uns den Newcomer Wettbewerb vorher geschenkt, hätten wir uns einiges an Lärm und an Warterei sparen können. Haben wir aber nicht.

Bereits hier wird mir klar, wie viele Chancen ungenutzt blieben…

Die Party war jedenfalls genial! Ich würde fast sagen besser als alle schwarzen Veranstaltungen in Aachen zusammen. Tolle Musik – zwei Bereiche, viel zu gucken und vor allen Dingen: BESTE Stimmung! Man hat wirklich gemerkt, dass alle da waren um zu feiern und nicht weil sie sich irgendwem, z.B. einem DJ gegenüber, verpflichtet fühlen hinzugehen. Auch die Vorfreude auf die beiden kommenden Tage war irgendwie überall zu spüren. Vermutlich wurde es wohl auch deswegen recht früh wieder leerer – wobei, eigentlich wurde es nur nicht voller obwohl die Schlange immer länger wurde  – schließlich mussten auch wir uns unsere Kräfte noch gut einteilen.
Mich verließen bereits zu diesem Zeitpunkt die Kräfte meiner Füße. Zurück blieb ein kaum erträglicher Schmerz. Meine Chucks, die mich in den letzten beiden Jahren so treu begleitet hatten, waren dieses Mal irgendwie keine gute Wahl. Neues Modell.
Unser Vorsatz früh schlafen zu gehen hatte sich in dem Augenblick erledigt, in dem Kim durch Geschrei vor unserem Fenster an eben dieses gelockt wurde und dort Zeugin wurde, wie ein junger Kerl einen anderen mit voller Wucht gegen einen Zaun stieß. Er stand zunächst nicht auf und rührte sich nicht. Krankenwagen, Polizei und ein alles abstreitender Angreifer hieten uns noch recht lange wach.

Nach dem Frühstück lernten wir recht schnell unsere Putzfrau kennen. Ich nenne sie jetzt Brigitte, trotz ihrer vermutlich eher südländischen Abstammung. Sie kam ins Zimmer – ohne anzuklopfen – und wollte Dusche und WC putzen. Im WC konnte sie dies auch ohne weiteres tun, die Dusche war jedoch zu diesem Zeitpunkt – am Rauschen des Wassers in jeder Sprache zu erkennen – belegt. Den Satz

Die Dusche ist gerade besetzt.

hat sie jedoch offensichtlich auch beim zweiten Mal nicht verstanden. Anders kann ich mir nicht erklären, dass sie dennoch einfach die Türklinke in die Hand nahm und herunterdrückte. Kim hatte abgeschlossen. Die Dame entschuldigte sich nicht, sondern ging zur nächsten Tätigkeit über: Mülleimer kontrollieren. Der im WC war leer. Der andere stand in der Dusche. Mittlerweile wundere ich mich, dass Brigitte nicht erneut versucht hat die Türe zu öffnen. Statt dessen ging sie auf unseren Vorschlag ein, dass sie einen leeren Beutel da lässt und wir den Müll vor die Türe stellen.

Der Festivalsamstag fing dann gut mit Miss Construction an und steigerte sich über Faderhead und Welle:Erdball um dann mit einem großartigen Konzert von And One seinen Höhepunkt zu finden. Es hat einfach Lust gemacht auf mehr. Na, wer kommt mit am 23.10.? 😉
Zum Ausklang besuchten wir noch die After-Show Party, wenn auch nicht besonders lange. Die Erschöpfung war einfach zu mächtig!

Der Sonntag bescherte uns ein weiteres Erlebnis mit Brigitte. Es war um 9 Uhr, also 30 Minuten vor dem planmäßigen Check-Out.
Ich stand direkt vor der Zimmertüre und föhnte mir die Haare, als die Türe wieder ohne Vorwarnung aufging. Brigitte erinnerte uns daran, dass wir ja abreisen. Ich hatte schon fast vergessen, warum ich meine Tasche vor dem Frühstück schon packen musste. Den Hinweis, dass wir dafür ja noch eine halbe Stunde Zeit haben hat sie wohl verstanden. Immerhin verließ sie das Zimmer direkt wieder. Doch so kann man sich irren: Wenige Sekunden später öffnete sich die Türe erneut- selbstverständlich ohne vorheriges Anklopfen. Brigitte war nun bewaffnet mit 4 Sets Bettwäsche und wollte diese auch unbedingt noch im Zimmer ablegen um sie nicht wieder mitnehmen zu müssen. Haben wir sie dann auch einfach machen lassen, sie hätte ja doch keine Ruhe gegeben…
Wir waren entsetzt und haben dies auch der Dame an der Rezeption mitgeteilt. Immerhin bei ihr sind wir auf Verständnis gestoßen.

Auf dem Gelände war der Welle:Erdball Film dann für Kim eine Art Pflichtveranstaltung. Den Anfang habe ich mir auch angesehen um dann zu Mono Inc. zu gehen. Ich wollte herausfinden, warum ich diese Band letztes Jahr so verdammt gut fand – es war mehr als nur die fantastische Musik – und ich sah es auf den ersten Blick:

Katha Mia.

Eine wunderhübsche Frau. Schlagzeug spielend und singend. Ein weiteres Highlight dieses Wochenendes also.

Es folgte eine längere Pause, die ich nutzte um jemanden zu treffen, den ich eher selten zu Gesicht bekomme. Meinen Vater.

Combichrist war klasse – wie immer. Weitere Blitzlichter gab es nicht, der Sonntag war einfach nur gut.
Wobei, eins habe ich noch mitgenommen, ein Wort vom ASP-Konzert: kunterschwarz. Toll!

Es war also ein wunderschönes, kunterschwarzes Wochenede. Reich an Erlebnissen, die ich gar nicht in Worte fassen kann, Chancen und Emotionen.

Ja liebes Internet, nächstes Mal gibt es dann wieder Neuigkeiten aus dem Alltag. Schließlich sind solche Veranstaltungen zu teuer, um sie öfters zu besuchen.
Bis bald!